| Schweiß,
Blut und sehr viel Mut
Fehler
sind beim Boxen schmerzhaft. Auch wenn der Trainer noch so
oft die Deckung anmahnt, zu den Faustkämpfern, die sich
kurz vor dem letzten Gong kaum mehr auf den Beinen halten
können, dringt jetzt nichts mehr durch. Die 300 Boxsport-
fans in der Braun-Arena sind aus dem Häuschen. Was für
ein Kampf. Ugur Cetinkaya vom BC Wei- ding und Daniel Felk
aus Wallersdorf haben sich total verausgabt. Der eine hängt,
nach Atem ring- end in den Seilen, der andere klammert sich
fast schon besinnungslos an den Körper seines Geg- ners.
Jeder in der Halle ahnt, nur ein Windhauch würde jetzt
reichen, um die Beiden auf die Bretter zu schicken.Der unbändige
Willen aber stehen zu bleiben, die „Schlacht“
durchzustehen, lässt kei- nen Zuschauer kalt. Es ist
laut geworden. Was das Publikum begeistert ist längst
nicht mehr nur die Sympathie für den eigenen Mann, sondern
dieser phänomenale Kampfgeist beider Sportler. Der Ringrichter,
für den regulären Schlagabtausch verantwortlich,
hat alle Mühe die beiden wieder zu trennen. Wieder belebt
durch die erzwungene Ver- schnaufpause gehen die Kontrahenten
sofort wie- der aufeinander los.
Den
Siegern wurde keine millionenschwere Börse in Aussicht
gestellt, Urkunden gab´s und das loc- kte sogar Faustkämpfer
aus München zum Ost- bayerischen Besten-Turnier nach
Weiding.Dreisig Boxer
von der Schüllerklasse bis zu den Männern standen
sich in 15 Kämpfen in der Braun Arena gegenüber.
Herbert Mühlbauer, Coach des Wei- dinger Boxstalls und
Ausrichter der Veranstalt- ung, hatte fünf heiße
Eisen im Feuer. Für seinen Jüngsten, Marco Kolbeck
(10), der im Papierge- wicht bis 40 Kg in den Ring stieg,
war es eine Premiere. Klar, dass vor heimischem Publikum Marco
die Nerven ganz schön flattern. Schließlich musste
er vor einem unbekannten Gegner beste- hen und der, das war
gleich zu spüren, hatte et- was mehr Erfahrung vorzuweisen.
Marco konnte sich seinen Gegner vom BC Straubing kaum vom
Leib halten und musste ganz schön einstecken. Schnell
war die Nase blutig, aber das vermochte dem Weidinger Nachwuchs
nicht den Schneid abzukaufen.
Beherzt wie ein Löwe ließ Marco nicht locker, konnte
auch Punkten. Am Ende war das aber nicht genug und der Zelzer
musste bei
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seinem
Kampfdebüd eine Niederlage hinnehmen. Tobias Schinabeck
(13) vom BC Weiding ist rou- tinierter. Bisher zwei Kämpfe
bestritten, beides Niederlagen, hatte Tobias bei seinem 3.
Kampf vom ersten Gongschlag an dominiert. Islam Jusu- pov
vom TUS Pfarrkirchen hat sich vom Weidinger zu schnell einschüchtern
lassen und dann keine Chance mehr. An den vier Seiten des
Rings sit- zen die Punktrichter und notieren die Treffer.
Dann wird addiert und der Unparteiische im Ring reißt
dann den Arm des Gewinners hoch. Das Urteil trifft nicht immer
auf Verständnis. Ein Trainer aus Schwandorf, der seinen
Mann schon als Sieger wähnte, verließ wütend
die Halle. Diskussionslos, weil durch technisches KO konnte
Michael Schi- nabeck vom BC Weiding im Weltergewicht in der
Braun-Arena glänzen. Acht Kämpfe, sechs Siege. Sein
Teamkollege Enrico Münch im Halbschwer- gewicht war auch
auf Sieg gepolt. „Seinen Geg- ner Hezer Yilmaz vom SSV
Jahn Regensburg ha- ben wir leider unterschätzt.“,
gesteht Coach Her- bert Mühlbauer. Obwohl Enrico ständig
vorwärts marschierte, hat der Regensburger einfach öfter
getroffen und letztlich den Kampf für sich ent- schieden.
„Oh Mann, konnte der einstecken.“ , ist Hezer
Yilmaz nach dem Fight noch von den Neh- merqualitäten
des Weidingers beeindruckt. „Wer
nicht aufpasst, holt sich schnell eine blutige Na- se.“
, sagte Dr. Karl Vetter, der als Ringarzt die Kämpfe
beobachtet. „Sieht dramatisch aus, ist aber halb so
schlimm.“ Die Sportler tragen Kopf-, Zahn- und Tiefschutz.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Arzt hier wegen schwerer
Verletzungen tätig werden muss, ist also verschwindend
klein. Auch wenn sich Faustkämpfer bis an die Gren- zen
der Ohnmacht verausgaben. Als
der Schluss- gong dem Kampf ein Ende machte, war weder Ugur
Cetinkaya noch Felk Daniel in der Lage den mächtigen
Applaus des Publikums auszukosten. Während die Punkterichter
ihre Notizen addierten, haben Betreuer in der Ringecke den
Beiden Box- handschuhe, Zahn-, und Kopfschutz abgenom- men.
Blut und Schweiß wurde aus den Gesicht- ern gewischt
und als der Ringrichter die Boxer wieder zu sich rief, um
das Urteil zu verkünden, waren die dramatischen Spuren
der Schlacht fast verschwunden. Der Weidinger Ugur Cetinkaya
hatte diesmal die geschwollene Nase vorne, aber den größten
Beifall des Turniers haben sich beide verdient. |